Chicago für Individualisten

Chicago - Skyline North Lake Shore 
Foto: Patrick L. Pyszka/City of ChicagoChicago - Skyline North Lake Shore
Foto: Patrick L. Pyszka/City of Chicago

Die Metropole am Lake Michigan ist immer eine Reise wert. Insbesondere im Winter wirkt die Stadt magisch.

Michael Salvatore strahlt über das ganze Gesicht. Gerade hat er einem bekannten Serien-Schauspieler eines seiner trendigen Hipster-Bikes verkauft. Seine Manufaktur „Heritage Bicycles“ auf der Lincoln Avenue in Chicago boomt, sie vereint ein lässiges Café mit einem Fahrradladen, in dem man sich sein eigenes Rad konfigurieren lassen kann. Nach dem Wunsch des Kunden wird das Bike anschließend komplett per Hand hergestellt, ab ca. 800 Euro geht es los. Fünf Modelle bietet Heritage Bicycles an, ein Tandem ist auch dabei.
„Wir haben das Ganze hier als Hobby gestartet“, so Michael Salvatore. „Unser Café zieht viele Leute an, die es lässig und ungezwungen lieben, und einige schauen sich beim Kaffeetrinken die Bikes genauer an.“

In Chicago haben Manufakturen Hochkonjunktur. Kleine, feine Läden abseits des Mainstreams finden viele Fans unter den Einheimischen und Touristen. So wie der Hutmacher „Optimo Hats“, der heute der einzige seiner Art in Chicago ist. 1995 übernahm Graham Thompson eine der letzten Hutmacher-Manufakturen der Stadt und lernte das Handwerk von der Pike auf.
Die Hüte werden aus feinstem Filz aus Portugal hergestellt, es gibt sie in vielen verschiedenen Formen wie den bekannten Panama-Hut, den Fedora-Damenhut, die Melone oder den Zylinder. Wer möchte, kann sich seinen ganz persönlichen Hut – ab 650 Euro aufwärts – anfertigen lassen.
Die „Koval Destillery“, gegründet von Robert und Sonat Birnecker, ist ein Familienbetrieb, der ebenso klein wie exquisit ist. 2009 eröffnete Koval die nach mehr als 100 Jahren erste Destillerie in Chicago. Robert Birnecker brachte damit die Destillationstradition und die Techniken seines österreichischen Großvaters nach Amerika. Berühmt wurde die Koval Destillery zunächst mit ihrem Whiskey, inzwischen gibt es auch hervorragenden Gin, Wodka, Brandy oder spannende Liköre.

Chicago im Winter
In der kalten Jahreszeit ist die nach New York und Los Angeles drittgrößte Stadt der USA besonders bezaubernd; Chicago verwandelt sich in ein buntes Spektakel an Lichtern, Märkten und Veranstaltungen. Wenn sie sich in eine glitzernde Schneedecke hüllt, wirkt die Metropole am riesigen Michigan-See magisch.
Über 100.000 Schlittschuhläufer tummeln sich alljährlich auf der Eislauffläche im Millennium Park, es gibt Eiskunstlauf-Vorstellungen und Eislauf-Kurse.
Auch das „Skating Ribbon“ erfreut sich großer Beliebtheit bei Touristen und Einheimischen. Diese Skating-Bahn schlängelt sich durch die märchenhafte Landschaft des Maggie Daley Parks, dank sanfter Hügel ist sie sehr abwechslungsreich.

Millennium Park-Tour
Eine Tour durch den Millennium Park lohnt sich auf jeden Fall. Der riesige, öffentliche Park mit der berühmten Skulptur „Cloud Gate“, die auch aufgrund ihrer Form „Bohne“ genannt wird, zählt zu den Top Ten der meist besuchten Sehenswürdigkeiten der USA. Relativ neu ist der Maggie Daley Park mit seinen spektakulären Grünflächen im Herzen der Innenstadt und über eine Brücke mit dem Millennium Park verbunden. Ein Naherholungsgebiet für die ganze Familie ist dieser Park auch durch seinen „Play Garden“. Dazu gehören Kletterwände, ein 18-Loch-Minigolfplatz und ein großer Picknickplatz. Der Play Garden, der erste seiner Art in Chicago, ist im Geist von Alice im Wunderland und Charlie und die Schokoladenfabrik gestaltet.

Architecture River Cruise
Die Architektur Chicagos ist atemberaubend – hier wurden die ersten Wolkenkratzer der USA erbaut. So ist dann auch eine „Architecture River Tour“ mit der Shoreline-Sightseeing-Linie über den Chicago River für jeden Besucher gesetzt. Speziell geschulte Tourguides erklären die weltberühmten Wahrzeichen wie den Willis Tower (ehemals Sears Tower), die Fahrt geht vorbei am Gebäude der Zeitung Chicago Tribune, am Wrigley-Gebäude der gleichnamigen Kaugummi-Familie oder an den Zentralen von Boeing und IBM. Alle Architekten von Rang und Namen haben sich in Chicago verewigt – Frank Gehry, Frank Lloyd Wright, Helmut Jahn, Mies van der Rohe und viele mehr.
Besonders spannend wird die Tour, wenn die Guides erzählen, wie Chicago aus der Asche des großen, vernichtenden Feuers von 1871 emporstieg, um eine der spektakulärsten Städte der USA zu werden. In 150 Jahren wurden mehr als 50 gigantische Großprojekte ausgeführt, im Stadtgebiet befinden sich vier der zehn höchsten Gebäude der USA.

Essen und Trinken
Chicago ist voll von guten, bodenständigen und preiswerten Restaurants und Brauereien, die Burger und Steaks in allen Varianten anbieten. Natürlich gibt es auch hochpreisige fine-dining-Restaurants mit mehrgängigen Menüs oder Weintempel wie die „City Winery“ im Trend-Viertel West Loop.
Wer zum Lunch eine große Auswahl verschiedenster Küchen und die Nähe der Einheimischen sucht, geht in die „Revival Food Hall“, die in einem Gebäude von 1907 untergebracht ist. Hier findet man zahlreiche Food Stations unter einem Dach, von Pizza über Pulled Pork bis hin zu veganen Spezialitäten.

Anreise
Mit Air Lingus von Düsseldorf über Dublin nach Chicago. Diese Verbindung ist zeitlich sehr komfortabel, aber auch vor allem durch eine Besonderheit sehr beliebt: Am Flughafen Dublin kann man direkt die Einreise-Formalitäten für Chicago durchführen. Das erspart eine Menge Zeit in den Staaten. Auch das Entertainment-Angebot der Airline kann sich sehen lassen, ebenso wie die Beinfreiheit. Kosten für den Hin- und Rückflug je nach Termin ab ca. 500 Euro.  
www.airlingus.com

Hotel
Hyatt Regency Chicago, ein sehr großes Business-Hotel mit einer grandiosen Bar auf der Lobby-Ebene in der ersten Etage. Die Lage ist perfekt, direkt auf dem East Wacker Drive, in unmittelbarer Nähe zur Michigan Avenue. https://chicago.regency.hyatt.com

Jazz-Club
Im Jazz-Club „Kingston Mines“ erfreuen sich Ein-heimische und Touristen an wechselnden Jazz-Bands. Der Jazz-Club mit dem Gründungsjahr 1968 ist laut, voll, hat jede Menge Biersorten im Angebot und damit genauso, wie ein Jazz-Club sein sollte.
www.kingstonmines.com

Kunst satt
Das „Art Institute of Chicago“ ist ein Muss für alle Kunst-Liebhaber. Mit seinen unzähligen Exponaten aus rund 5000 Jahren Kunstgeschichte stellt es hohe Ansprüche an den Besucher; mit 50 individuellen Touren wird es etwas leichter, sich zurechtzufinden. www.artic.edu

Empfehlenswerte Restaurants
* Tiny Tavern, Navy Pier, 600 E Grand Avenue, www.tinytavern.com
   Spannende Salat-Varianten, Burger und Desserts zum günstigen Preis
* Piece Pizzeria & Brewery, 1927 W. North Avenue, www.piecechicago.com
   Riesige Pizzen, kleine Preise
* DMK Burger Bar, 2954 N. Sheffield Avenue, https://dmkburgerbar.com
   Fantastische Burger in zahlreichen Varianten
* The Purple Pig, 500 N. Michigan Avenue, https://thepurplepigchicago.com
   Von Frühstück bis Dinner geht es hier sehr quirlig zu, das Restaurant ist jeden
   Tag bis auf den letzten Platz besetzt.  
* Revival Food Hall, 125 S Clark Street, www.revivalfoodhall.com
  Eine große Markthalle mit rund 15 kleinen Ständen, die unterschiedlichste Küche anbieten.

Informationen zu den Manufakturen
* Handgemachte Hüte: www.optimo.com
* Fahrräder für Individualisten: www.heritagebicylcles.com
* Feine Destillerie mit österreichischen Wurzeln: www.koval-distillery.com/newsite

Shopping
In den USA ist Shopping ein Muss. Unbedingt eine ausgedehnte Shopping-Tour im Water Tower Place einlegen, mit vielen bekannten Geschäften wie Macy’s, Abercrombie & Fitch, Hollister, Victoria’s Secret und vielen anderen.  Die beliebte Mall liegt mitten auf der Michigan Avenue, der sogenannten „Magnificent Mile“.
www.watertowerplace.com

Extratipp
Mit dem praktischen und preiswerten City Pass können Touristen alle wichtigen Sehenswürdigkeiten wie das Skydeck, das John Hancock Observatorium, das Art Institute of Chicago oder das große Shedd Aquarium besuchen. https://de.citypass.com/chicago

Informationen zu Chicago
www.choosechicago.com (deutsche Website-Version wählbar)