Eva Rubinstein im Museum für Gartenkunst, Schloss Benrath

DEX Magazin
Eva Rubinstein 2019
Eva Rubinstein, Jerusalem, 1983; Israel

Identität, Vergänglichkeit und Spuren gelebten Lebens
Eva Rubinstein: Ein Jahrhundertleben der Fotokunst
„Ohne Geheimnis gäbe es keine Kunst.“ Eva Rubinstein

Die in New York lebende Fotografin Eva Rubinstein ist am 18. August 2026 93 Jahre geworden. Aus diesem Anlass ehrt die Landeshauptstadt Düsseldorf das außergewöhnliche Lebenswerk der Künstlerin mit einem doppelten Ausstellungsprojekt im Schloss Benrath und in der Galerie Clara Maria Sels.

Die umfassende Werkschau „Eva Rubinstein. Proof of Life“ im Museum für Gartenkunst, Schloss Benrath, Benrather Schlossallee 100-106, Düsseldorf, wird am Mittwoch, den 2. September 2026 um 19:00 Uhr, feierlich eröffnet.

In Kooperation mit der Galerie Clara Maria Sels zeigt das Museum bis zum 29. November 2026 rund 150 von der Künstlerin selbst gefertigte und signierte Vintage-Prints. Auf der Eröffnung wird zudem der Dokumentarfilm „A conversation with Eva Rubinstein“ in Anwesenheit der New Yorker Regisseurin Renate Aller gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Eva Rubinstein, Bed in mirror, Rhode Island 1972, USA

Parallel zeigt die Galerie Clara Maria Sels, Poststraße 3, Düsseldorf, bis zum 31. Oktober eine Ausstellung über Eva Rubinstein plus eine Würdigung von Rubinsteins Künstlerfreund Duane Michals.

Weitere Infos: www.galerie-claramariasels.de/upcoming.html

Eva Rubinstein, Museum in Palazzo Fortuny, 1979, Venice, Italy

Eva Rubinstein
Als älteste Tochter des legendären Klaviervirtuosen Arthur Rubinstein und Nela Młynarska wuchs Eva Rubinstein in einem Haushalt der Kulturgeschichte auf. Ihre persönliche Biografie schlägt wie kaum eine andere die Brücke zwischen der europäischen Vorkriegs-Bohème, dem Hollywood-Glamour des Exils und der weltweiten Fotokunst.

Der erste große Wendepunkt im Leben Eva Rubinsteins ereignete sich im Herbst 1939. Im Oktober des gleichen Jahres bestieg die Sechsjährige mit ihrer Familie in Frankreich das amerikanische Passagierschiff USS George Washington, um Europa zu verlassen.

Die Überfahrt über den Atlantik markierte das abrupte Ende einer Kindheit in Frankreich und den Beginn eines völlig neuen Lebensabschnitts im US-Exil.

In den USA angekommen, zog die Familie erst nach New York und dann nach Los Angeles (Beverly Hills). Das Haus der Rubinsteins wurde im kalifornischen Exil schnell wieder zu einem lebendigen, interdisziplinären Salon, in dem Eva Rubinstein ganz selbstverständlich verkehrte: Schauspiel- und Hollywood-Legenden wie Charlie Chaplin, Cary Grant und die spätere Fürstin Grace Kelly gehörten zu den engen Freunden und regelmäßigen Gästen der Familie.

Auch große literarische Köpfe im Exil, allen voran der deutsche Nobelpreisträger Thomas Mann, pflegten engen Kontakt zur Familie wie auch Albert Einstein. Dieses Umfeld prägte Eva Rubinsteins Jugend.

Der fotografische Werdegang
Diese kreative Umgebung spornte Eva Rubinstein an, eigene künstlerische Wege zu gehen. Sie arbeitete zunächst erfolgreich als Balletttänzerin und Broadway-Schauspielerin (u. a. in der Originalbesetzung von Das Tagebuch der Anne Frank). Ende der 1960er-Jahre fand sie mit 34 Jahren zur Fotografie – ein Medium, das ihr unabhängig von der Bühne, Zeit und Ort ermöglichte, ihren ganz eigenen künstlerischen Ausdruck zu finden. 

Das Werk
Rubinstein entwickelte eine unverkennbare visuelle Sprache, die fast ausschließlich in Schwarz-Weiß gehalten ist. Ihre Fotografie erforscht die Verbindung zwischen sichtbarer Realität und tiefen, unsichtbaren Gefühlen in Interieurs, intimen Porträts oder auf ihrer Spurensuche in Polen.

Eva Rubinstein bezeichnete ihre Fotografie oft als eine Erforschung der „dritten Dimension“. Damit meint sie die Verschmelzung der sichtbaren Realität mit den tiefen, unsichtbaren Gefühlen des Betrachters. Ihre Arbeiten lassen sich in drei große Schwerpunkte unterteilen: 

Das „intime Porträt“: Wenn sie Menschen fotografierte (darunter Akte oder enge Freunde), tat sie dies mit extremem Respekt. Sie wollte niemals in die Privatsphäre eindringen, sondern eine echte, emotionale Verbindung aufbauen. Berühmt sind ihre privaten Aufnahmen ihres Vaters Arthur Rubinstein beim Musizieren in Hotelzimmern, sowie auch Portraits von Künstlerkollegen wie z.B. Diane Arbus – das Portrait ist auch das Coverbild der Biographie über Arbus von Patricia Bosworth -, Robert Frank, Duane Michals oder André Kertész.

Menschenleere Räume (Interieurs): Ein Markenzeichen von ihr sind verlassene, oft melancholisch wirkende Räume. Sie fotografierte ungemachte Betten, leere Stühle oder Fenster, durch die Licht fällt (wie ihr berühmtes Werk „Bed in Mirror, Rhode Island, 1972“). Kunstexperten sprechen bei ihren Bildern oft von einer „lautlosen Melancholie“. 

Spurensuche in Polen: Ab 1958 reiste sie regelmäßig in die polnische Heimat ihrer Eltern. In den 1970er- und 1980er-Jahren prägte ihr sensibler, amerikanisch geschulter Stil die dortige Fotokunstszene. Sie fotografierte unter anderem in Łódź (dem Geburtsort ihres Vaters) und hielt die Melancholie geschichtsträchtiger Orte in berührenden Bildern fest. 

Ihre Werke sind heute in bedeutenden Museen wie dem Metropolitan Museum of Art in New York oder dem Museum Ludwig in Köln vertreten.